Wann widmet die Stadt dem Star eine Straße?

Düren. Am 30. Oktober wäre Opernsänger Stefan Schwer 100 Jahre alt geworden. Er starb 87-jährig am 12. Januar 1990 in Gürzenich, wo er seit 1979 mit seiner Frau Elise lebte.

Mit ihr, die inzwischen 95 ist, werden Freunde um 15 Uhr die Grabstätte auf dem Gürzenicher Friedhof besuchen.

Schwers Andenken wird in einer biografischen Studie geehrt, die Monika Rothmaier-Szudy, künstlerische Leiterin des Theaters Düren, veröffentlicht hat: Als Stefan Schwer 1902 im Schatten der Annakirche geboren wurde, sang ihm Vater Theo zwar an der Wiege - aber nicht, dass aus ihm ein Tenor von europäischem Rang werden könnte.

Denn der älteste von fünf Brüdern sollte eigentlich das väterliche Maler- und Anstreichergeschäft am Steinweg übernehmen.

Nach der Lehre und dem mit dem Vater gemeinsam gepflegten Singen beim MGV 1877 (heute Städtischer Chor) wurde sein unbändiger Wunsch, Opernsänger zu werden, gefördert - nach einer Talentprobe an der Musikhochschule Köln.

Dort studierte er vier Jahre und gewann für ein Zusatzjahr an der Akademischen Musikhochschule Berlin die Empfehlung seines Professors und ein Stipendium Dürener Mäzene - hatte Stefan doch schon im Hause Schoeller bei Familienfeiern gesungen.

Aus der Fülle der Daten seiner Karriere von 1928 bis 1978 ist abzulesen, dass Stefan Schwer ein wirklich bedeutender Tenor war, aber trotz seiner starken Bindung an Düren in seiner Heimatstadt selten auftrat.

Tonträger der über 120 Partien, auf die er bereits beim 25-jährigen Bühnenjubiläum stolz verwies, gibt es kaum. In jedem Fall begeisterte er als Sängerdarsteller auf der Bühne; Szenenfotos zeigen ihn in vielen Rollen in Kostüm und Maske attraktiv, verwandlungsfähig und ausdrucksstark.

Die Reihenfolge seiner Engagements bedeutet viel: 1931 zusammen mit Berühmtheiten der Zeit 14 große Partien in acht Monaten, 1932 für sieben Jahre an der Hamburger Staatsoper unter Karl Böhm, Eugen Jochum, Hans Schmidt-Isserstedt, 1939 als erster lyrischer und italienischer Tenor ans Staatstheater Kassel - verbunden mit einem Gastspielvertrag an der Berliner Staatsoper, wo er bis 1949 blieb; danach war das Angebot der Staatsoper Stuttgart für ihn Erfüllung zu weiterer Entwicklung im dramatischen Fach.

Den Othello nennt er als Höhepunkt und eine der erfolgreichsten Partien seiner Laufbahn. In Stuttgart blieb er bis 1978 und feierte sein 50. Bühnenjubiläum als «Erster Tenor».

Auch bei Gastspielen zwischen Rom, Wien, Amsterdam und Paris trat er mit Berühmtheiten wie Maria Cebotari, Heinrich Schlusnus, Erna Berger, Hans Hotter, Wolfgang Windgassen und Fritz Wunderlich auf.

Er begegnete Richard Strauß, auf dessen Wunsch er zweimal in Festaufführungen von «Arabella» sang. 1963 und 1964 sang er in der legendären «Meistersinger»-Inszenierung von Wieland Wagner in Bayreuth.

Zeitlebens pflegte Stefan Schwer eine herzliche Beziehung zu Düren, dokumentiert im Gedicht «Heimatstadt» nach der Zerstörung sowie in einem Brief mit ausführlichem Werdegang nach dem Konzert mit dem Dürener Sängerbund 1900 unter Wilhelm Heinrichs, über das die DZ am 17. 11. 1953 «Umjubelter Stefan Schwer» titelte.

Der Inhalt: «Am 15. November war ein glücklicher Tag für mich. Durfte ich doch nach langer Abwesenheit wieder einmal in meiner Heimatstadt singen. Mit meinen Landsleuten genoss ich das Glück, dass Düren, die vom Krieg so schwer getroffene Stadt, in der schönen Aula am Altenteich wieder eine würdige Stätte für kulturelle Veranstaltungen besitzt. Noch lange werden die Wellen von Sympathie und herzlicher Freundschaft, die mir dort entgegenschlugen, in mir nachklingen . . .»

Galt der Prophet im eigenen Land nichts? Nur sechs Konzerte zählt Monika Rothmaier-Szudy von 1935 bis 1953. Einzige Opernpartie im Stadttheater war eine spontan vermittelte Gastrolle als Alfred in «Traviata» 1944.

Stefan Schwer war ein bescheidener Mensch, der den Musikmarkt noch nicht zu nutzen wusste.

August Leufgens nennt ihn «sorgfältig, gewissenhaft», weil er mit ihm zum Begräbnisamt für seinen Schwager Hans Frings, den früheren Karnevalsprinzen, in der Annakirche vorher proben wollte.

Immer noch zeigt sich Düren ziemlich spröde, den berühmten Sohn der Stadt zu ehren. Die Erna-Schiefenbusch-Gesellschaft hat schon zwei Eingaben gemacht und meint, die Ecke am Theater statt «Stolzestraße» sinnvoller nach Stefan Schwer und die am Kino «Sybille-Schmitz-Straße» zu benennen.

Von Georg Neulen

 

Stefan Schwer