Adam Wilhelm I. Freiherr Schellart von Obbendorf
genannt “Oberst Gürzenich”
wurde am 01.02.1594 zu Gürzenich geboren, hingerichtet am 12.10.1627 in Rendsburg. Er war Herr zu Gürzenich, Doorwerth, Lontzen, Iversheim usw. Am 31.12.1615 heiratet er Sophia von Budberg, Erbin des sogenannten Gürzenicher Hofs in Koslar und des Gutes Damaslovic in Böhmen. In zweiter Ehe heiratet sie Lothar Freiherr von Bönninghausen.
Adam Wilhelm I. war unter anderem Oberjägermeister von Geldern, bekannt und gefürchtet beim Volk unter dem Namen “Oberst Gürzenich”.
Als kaiserlicher Oberst zu Roß und zu Fuß nahm er am 30jährigen Krieg teil. Er warb 1624 auf eigene Kosten, unter Verpfändung seiner alten Stamm- und Rittergüter in den Niederlanden, 6.000 Mann, die er vier Monate unterhielt. Nach einem Manuskript von Pfarrer Zander handelt es sich sogar um 9.000 Wallonen, die er aus eigenen Mitteln anwarb, ausrüstete und unterhielt.
Die Kosten hierfür beliefen sich auf 105.740,00 Gulden. Sein Feldherr Wallenstein, der Herzog von Friedland, verkaufte ihm zur Erstattung dieser Summe zahlreiche Güter, Mühlen und Höfe in Böhmen für den Preis von 203.790,00 Gulden. Den Mehrbetrag versprach Adam Wilhelm I. in verschiedenen Raten zu bezahlen, während Wallenstein den Aufwand Adam Wilhelms als Bezahlung übernahm und dem Kaiser als Forderung stellte.
Aus einer Schrift aus dem Kriegsarchiv Wien aus dem Jahre 1626, in der Adam Wilhelm sich beim Hofkriegsrat wegen Kassierung seines geworbenen Kriegsvolkes beschwerte, ist zu schließen, daß ihm die Führung seines Regimentes genommen worden war. Seine Beschwerde erreichte nicht, daß er seine Truppe zurück bekam, doch bekam er den Auftrag, in der Wetterau (nördl. von Frankfurt) ein neues Regiment Arkebusiere, das waren mit Büchsen ausgerüstete Söldner, anzuwerben. Über die Gründe, weshalb Adam Wilhelm auf das Kommando des zuerst geworbenen Regiments verzichten mußte, gibt es keinen Aufschluß.
In seinen Beiträgen schreibt Koch darüber, daß Schellards Truppen, welche 1626 in der Wetterau standen, sich wie alle unter Wallenstein stehenden Truppen, arger Exzesse zuschulden kommen ließen.
Hurter erzählt, Kaiser Ferdinand habe schon im Oktober 1626 an Kanzler von Eggenberg geschrieben, daß Schellard in der Wetterau alle Enormitäten und mehr denn barbarische Abscheulichkeiten sich erlaubt habe; träte Eggenberg nicht in Mittel, so würde man zu den Waffen greifen.
Nun schickte Wallenstein den Herzog Rudolf Maximilian von Sachsen, der aber in seiner Kriegsführung nicht besser als Oberst Gürzenich war, in die Wetterau, um mit allem Ernst gegen Schellard vorzugehen. Er ging auch mit unerbittlicher Strenge gegen die Truppen Schellards vor und ließ sie in Mengen niederhauen.
Daraufhin schickte Wallenstein eine energische Zurechtweisung an den Herzog Rudolf Maximilian, in der er das Verhalten streng rügte und Schadenersatz forderte. Es scheint, daß das vollauf geschehen ist, denn noch am 10. Mai 1627 war Oberst Gürzenich in seinem Hauptquartier Idstein. Am gleichen Tag gab er seinen Soldaten den Befehl, in seiner Abwesenheit dem Obrist-Wachtmeister Hans Jakob de Bagghy zu gehorsamen.
Nach Hurter ließ Wallensteinihn 1627 in den fränkischen Kreis einrücken.
Mit 1000 Reitern und 3000 Mann zu Fuß drang Schellard zuerst in das Stift Fulda und hierauf in das Bamberger Gebiet ein. Dort hausten und brandschatzten die Soldaten schrecklich. Der Bischof von Bamberg bewog den Kaiser in einem Protestschreiben dringend einzugreifen. Durch unmittelbaren kaiserlichen Befehl wurde die Auflösung des Regiments verfügt. Der “Oberst Gürzenich” selbst gab seinen allein im Nassauischen (das ist das Gebiet um Idstein) zusammengetriebenen Raub auf 200.000,00 Dukaten an.
Oberst Schellard erhielt von Wallenstein ein neues Patent! Wir finden ihn deshalb im Herbst 1627 in Holstein. Durch die wiederholten Auflösungen seiner Regimenter war “Oberst Gürzenich” nicht klüger geworden; denn auch in Holstein verfuhr er wie in der Wetterau. Diesmal ließ der Kaiser nicht mit sich spaßen: Schellard wurde verhaftet mit der Begründung, in Bayern habe er zwei Frauenklöster zerstört, Amtsleute zur Erpressung eines Lösegeldes weggeführt, im Gebiet von Mainz ein Dorf abgebrannt, dem Bischof von Würzburg 5.000,00 Gulden abgedrungen, einen Mordanschlag gegen den Abt von Fulda ausgeheckt und denselben zur Bürgschaft für gefangene Untertanen genötigt, im Darmstädtischen großen Schaden angerichtet zu haben, in Wiesbaden sei er eingebrochen und habe das Löschen des entstandenen Feuers gehindert.
Der von ihm in befreundeten Gebieten begangenen Untaten seien so viele, daß am 9. Oktober über ihn das Urteil erging, “er solle mit dem Schwerte hingerichtet werden, also, daß der Körper der größere Teil und der Kopf der kleinere Teil verbleibe; die getrennten Teile sollen auf das Rad geschlagen werden”. Am 11. Oktober 1627 machte er sein Testament und am folgenden Tage wurde er im Feldlager von Rendsburg hingerichtet.
Betrachten wir einmal aus der heutigen Distanz die Ereignisse:
Von den Heerhaufen des 30jährigen Krieges unterscheidet sich der eine nicht von dem anderen. Überall die gleichen Ausschreitungen und Grausamkeiten.
Überblicken wir den geschilderten geschichtlichen Ablauf des “Oberst Gürzenich”, so ist es unübersehbar, ja sofar auffallend, wie Wallenstein ihn immer wieder während seiner Eroberungen unterstützte und schützte - und ihn dann während der Anklage fallen ließ. Man kann nicht umhin zu erwägen, daß die Beseitigung Adam Wilhelms für Wallenstein ein sehr einträgliches Geschäft bedeutete.
Hiervon machte er auch gleich nach seinem Tode Gebrauch:
Die ausgedehnten Güter, mit welchen Wallenstein den “Oberst Gürzenich” belehnt hatte, nahm er sofort wieder in Beschlag. Außerdem confiscierte (einziehen) er eine in Magdeburg angelegte Summe von 6.450,00 Reichstalern, ferner das gesamte Heeresgut; Obligationen, Geld, Bagage, Kleinodien usw. Auch die Zahlungen der dreijährigen Obristenzahlungen von vier Regimentern verweigerte Wallenstein. Alle Reklamationen hatten kaum Erfolg.
Wie der Kaiser nachher dazu stand, bestätigt die Erhebung des Sohnes Adam Wilhelms als sogenannte “Wiedergutmachung” in den Reichsgrafenstand mit dem ausdrücklichen Hinweis “da die kaiserliche Ehrung nicht zuletzt auf die hohen Verdienste seines Vaters” erfolgte.
Sendetermine: 27.04., 04.05. u. 11.05.2003
